„Joker“ Michy Batshuayi rettete mit seinem 2:2-Ausgleichstor gegen den FC St. Pauli einen ganz wichtigen Bundesliga-Punkt. Foto: Moni Pfaff
Frankfurt. Am kommenden Samstag, 17.Mai 2025, findet das Bundesligafinale der Saison 2024/25 statt. Für Eintracht Frankfurt vielleicht ein historischer Spieltag, denn bei einem Auswärtssieg oder einer Punkteteilung beim SC Freiburg hätte sich das Team von Cheftrainer Dino Toppmöller erstmals in der Vereinsgeschichte über die Bundesliga-Platzierung direkt für die Champions-League qualifiziert. Anstoß dieses für beide Teams extrem wichtige Spiel ist um 15.30 Uhr im Europapark-Stadion.
Ein einziger Punkt reicht den „Adlern“
Die Ausgangslage könnte für Frankfurt, wie Freiburg kaum dramatischer sein. Vor dem Anstoß kämpfen Eintracht Frankfurt (57 Punkte/65:45 Tore), der SC Freiburg (55/48:50) und Borussia Dortmund (54/68:51) um die zum Start in der kommenden Champions League-Saison berechtigenden Tabellenplätze 3 und 4. Aufgrund des direkten Duells zwischen Freiburg und Frankfurt reicht Borussia Dortmund ganz sicher ein Heimsieg mit drei Toren Unterschied gegen den feststehenden Absteiger Holstein Kiel; mutmaßlich aufgrund der Tordifferenz und erzielten Tore sogar ein Erfolg mit nur 2 Toren Differenz. Eintracht Frankfurt wiederum genügt ein Remis in Freiburg zur sicheren CL-Teilnahme.

Freiburg und Dortmund müssen gewinnen
Wie Borussia Dortmund, steht auch der SC Freiburg unter Siegzwang. Gewinnen beide Teams, landet Eintracht Frankfurt nur auf Rang 5 und in der Euro-League. Das Besondere an diesem Bundesliga-Finalspiel-Duett ist der Umstand, dass es alle drei Clubs selbst in „den Füßen“ haben, in welchem internationalen Wettbewerb sie zukünftig antreten.
10-Punkte-Vorsprung ist geschmolzen
Doch hat das Team von Dino Toppmöller nach den beiden verspielten Chancen in Mainz (1:1) und letzten Sonntag beim Heimspiel gegen den FC St. Pauli (2:2) noch genügend Kraft und Mentalität, um den verbliebenen finalen Matchball gegen den SC Freiburg zu verwandeln? Seit dem 1:0-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart am 27. Spieltag konnte Dortmund den seinerzeitigen 10-Punkte-Rückstand gegenüber den Hessen auf 3 und der SC Freiburg einen 6-Punkte-Rückstand auf 2 Zähler verkürzen. Obwohl die Eintracht seither lediglich ein Spiel in Bremen (0:2) verloren hat und die Heimsiege gegen Heidenheim (3:0) und Leipzig (4:0) deutlich ausfielen, gelang es gegen Augsburg (0:0), Mainz und zuletzt den St. Pauli nicht, den entscheidenden Schritt zu gehen.

Stößt jüngstes Liga-Team an seine Grenzen?
Genau diesen „entscheidenden Schritt“ hatte Cheftrainer Dino Toppmöller auch vor dem Match gegen den FC St. Pauli „mit großer Vorfreude“ angekündigt. Wie schon in Mainz präsentierte sein Team allerdings teilweise wieder unentschlossen, offensiv ideenlos und bis auf eine kurze Startphase, die zur 1:0-Führung durch Kristensen führte und der letzten halben Stunde, nach den Einwechselungen von 2:2-Ausgleichsschütze Batshuayi und Uzun, leider ohne den von Toppmöller angekündigten „Bock auf dieses Spiel“. Es wirkte so, als würde das aktuell jüngste Team der Liga im entscheidenden Moment der Saison an seine mentale Grenze stoßen und auch taktisch nicht optimal aufgestellt zu sein.

Überrascht Toppmöller mit neuer Taktik?
Dino Toppmöller ist vor dem auch für ihn wahrscheinlich wichtigsten Spiel seiner noch jungen Trainerkarriere sowohl in taktischer als auch psychologischer Hinsicht gefordert. Er muss seine Startelf mit Spielern besetzen, die mental und körperlich topfit sind und taktisch zueinander passen. Er muss entscheiden, ob er nach wie vor auf Ballbesitz in einem eher defensiv ausgerichteten Mittelfeld mit Spielern wie Skhiri und Larsson setzt, oder – wie in der letzten halben Stunde gegen St. Pauli – mehr Wucht und Kreativität durch z.B. Uzun und Batshuayi in die Eintracht-Offensive bringt, um den zuletzt völlig in der Luft hängenden Torjäger Ekitiké besser ins Spiel zu bringen.
Seit 4 Spielen in Freiburg unbesiegt
Beide Teams bestritten in der Bundesliga bislang 41 Spiele, wovon die Eintracht 17 gewinnen konnte, bei 10 Remis und 14 Niederlagen. Die letzten vier Auswärtsspiele hat die Eintracht in Freiburg nicht verloren (3:3/1:1:2:0/2;2). Setzt sich dieser Trend am kommenden Samstag fort, würden Dino Toppmöller und sein Team nicht nur den größten sportlichen Erfolg der Bundesliga-Vereinsgeschichte feiern. Sportvorstand Krösche und sein Finanzchef Julien Zamberk könnten in der kommenden Saison mit mindestens 50 Mio. Euro Mehreinnahmen durch die Teilnahme an der Champions-League rechnen. Im Gegensatz zur Euro League (4,31 Mio.) gibt es in der Königsklasse ein Antrittsgeld von 18,62 Mio. Euro, für einen Sieg weitere 2,1 Mio., und ein Remis immerhin 700.000 Euro. In der Euro League wären es nur 450.000 € pro Sieg und 150.000 pro Punkt. Der VfB Stuttgart kassierte in dieser Saison trotz des Ausscheidens nach der Vorrunde stolze ca. 65 Millionen, das noch schwächer aufgetretene Team von RB Leipzig immerhin noch rund 60 Millionen Euro. Es geht am 17. Mai 2025 in Freiburg deshalb um die Verwandlung des bislang „teuersten Matchballs“ der Eintracht-Vereinsgeschichte. Jochen Golle



