Der völlig konsternierte Eintracht-Kapitän Robin Koch (li., neben Amenda), nach einem von ihm selbst mitverschuldeten Gegentor. Foto: Victor van der Saar
Bittere 3:4-Heimniederlage gegen Union
Frankfurt, 21.09.2025. Wie stark ist der Eintracht-Kader wirklich? Den zwei Auftaktsiegen gegen Bremen und in Hoffenheim folgten nun zwei derbe Pleiten in Leverkusen (1:3) und zu Hause gegen Union Berlin (3:4) sowie der Tabellenrutsch von Platz 2 auf Rang 6. Ausgerechnet zum 100-jährigen Jubiläum des Frankfurter Waldstadions verdarb die Köpericker „Oldie-Truppe“ (Durchschnittsalter der Startelf: 29,5 Jahre/älteste Startelf seit dem 21. März 2014) der jüngsten Eintracht-Startelf seit 1986 (Durchschnittsalter: 23,2 Jahre) die von den Fans im Stadion entfachte einzigartige Feierstimmung.
Nur drei Tage nach dem überraschend hohen 5:1-Champions League-Heimsieg über Galatasaray Istanbul fragen sich die Eintracht-Fans nach der Ursache für diesen sportlichen Wechselkurs.

0:2 nach individuellen Fehlern
Passschärfe und Gedankenschnelligkeit hatte Eintracht-Sportdirektor Markus Krösche nach dem 1:3 in Leverkusen gefordert. Nichts davon war bis in die Nachspielzeit der 1. Halbzeit zu sehen, als Brown nach einer feinen Einzelleistung aus der Distanz die Ferse von Uzun anschoss, wovon der Ball unhaltbar für Gästekeeper Rönnow zum 1:2-Anschlusstreffer ins linke Toreck einschlug. Zuvor hatten Unions Ansah (9. Spielminute, nach zweifachem Fehlpass von Koch) und Burke (32. Minute, nach Konter und gewonnenem Sprint-Duell gegen Brown) die Berliner in Führung geschossen.

Ausgespielt und ausgekontert
Auch nach der Pause fand die junge Eintracht-Mannschaft nicht ins Spiel, lief insgesamt ca. 5,5 Kilometer weniger als die Gäste, hatte im Gegensatz zu Union Berlin (80%) nur 29% erfolgreiche Dribblings und verlor im Vorfeld des 1:3 von Burke die entscheidenden Zweikämpfe. Beim 1:4 (56. Minute, wiederum durch Burke) wurden die Adler nochmals viel zu einfach ausgekontert. Hätte der nach langer Verletzungspause wieder ins Eintracht-Tor zurückgekehrte Kaua Santos in der 78. Minute eine erneute klare Union-Torchance von Burke nicht bravourös verhindert, wäre die Blamage perfekt gewesen.
Am Ende Moral gezeigt
Zugutehalten muss man den Eintracht-Youngstern, dass sie sich bis zum Schluss nicht aufgegeben haben und durch Uzun (80, Minute, 4.Tor im 4. Bundesligaspiel) und einen von Burkardt an ihm selbst verursachten und verwandelten Strafstoß (87. Minute) nochmals Hoffnung im Jubiläumsstadion aufkommen ließen. Leider nutzte das Team von Dino Toppmöller die insgesamt 3+10 (Nachspiel-) Minuten nicht, um mit Passschärfe und Schnelligkeit den Ausgleich zu erzwingen. Zumeist flogen nur ungefährliche Flanken in den Gästestrafraum. Höhepunkt der Schlussphase war lediglich der Platzverweis von Gästetrainer Baumgart, wegen einer auf das Spielfeld getretenen Papierkugel.

So urteilt Trainer Toppmöller
Eintracht-Trainer Dino Toppmöller bewertete die Niederlage nach Spielschluss als „total unnötig“ und „selbstverschuldet“. Man hätte sich das „selbst eingebrockt“. „Mit derartigen Ballverlusten kannst du kein Spiel gewinnen“, konstatierte Toppmöller nach der Partie. Sportvorstand Krösche sprach von „Naivität“. Berechtigte Kritik, der nun auch praktische Umsetzungen auf dem Spielfeld folgen müssen.
Jetzt nach Mönchengladbach
Quo vadis Eintracht Frankfurt? Das nächste Ligaspiel führt die Eintracht am kommenden Samstag (27.9.,18.30 Uhr) zu einem richtungsweisenden Duell nach Mönchengladbach, wo bereits nach 3 Spieltagen Trainer Gerardo Seoane nach einem 0:0 in Hamburg und zwei Niederlagen gegen Stuttgart (0:1) sowie zu Hause gegen Bremen (0:4) den Hut nehmen musste. Zur Premiere seines Nachfolgers Eugen Polanski gelang den Borussen am vergangenen Spieltag beim 1:1 zumindest das erste Liga-Tor. Das sogenannte „Topspiel der Woche“ von Sky dürfte für beide Teams zu einem Gradmesser der aktuellen Leistungsfähigkeit werden.
Atletico komplett ausblenden
Dass die junge Eintracht-Mannschaft im Gegensatz zum international nicht aktiven Gegner bereits drei Tage später zum CL-Auswärtsspiel bei Atletico Madrid antritt und am darauffolgenden Samstag zu Hause Rekordmeister Bayern München empfängt, muss in Frankfurt bis zum Spielschluss in Mönchengladbach ausgeblendet werden. Sascha Then/jogo



