Foto: Moni Pfaff (Archiv)
Frankfurt (19.05.26). Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche hat fast 48 Minuten gesprochen und versucht die enttäuschende Saison 2025/26 zu erklären. Aber erst zum Ende der heutigen Pressekonferenz (siehe Link am Ende des Textes) gab es angedeutete Informationen über zielgerichtete Planungen und deren mögliche Umsetzungen. Zuvor lediglich vielfältige Rechtfertigungen und die klare Aussage Krösches, vor Problemen nicht weglaufen zu wollen.
„Ich trage die Verantwortung“
„Ich trage die Verantwortung für die Zusammenstellung des Kaders.“ „Ich habe das eine oder andere falsch eingeschätzt, die Entwicklung nicht antizipiert und das eine oder andere Prinzip missachtet. Ich muss nun die richtigen Lehren daraus ziehen, bei mir bleiben und aus meinen Fehlern lernen.“ Dies waren nur einige Zitate der von Krösche im Rahmen dieser PK immer wieder geäußerten Selbstkritik.

„Ich habe schlecht geschlafen“
„Natürlich macht diese Situation etwas mit mir und ich habe die letzten drei Monate nicht wirklich viel geschlafen, weil ich weiß, dass ich die Verantwortung trage. Und ich bin ein Stück weit perfektionistisch. Anders als in den Jahren zuvor habe ich in dieser Saison mehr schlechte als gute Entscheidungen getroffen. Aber ich werde jetzt keine 180 Grad-Wendung machen“, führte der Eintracht-Sportchef weiter aus.
Erinnerungen an 2011
Diese Selbstkritik Krösches erinnert stark an die Saison 2010/11, als Ex-Sportvorstand Heribert Bruchhagen im März 2011 Michael Skibbe entlassen hatte und mit Christoph Daum einen ähnlich polarisierenden Chefcoach wie Albert Riera verpflichtete, der letztendlich den Abstieg nicht verhindern konnte.
Daum bezeichnete sich (Riera-like) beim Amtsantritt selbst als „Messias“ und beschimpfte nach Misserfolgen einen HR-Reporter während einer PK wegen angeblicher Illoyalität, obwohl er diesen „sogar zu einem Exklusiv-Interview in seinen Privat-Garten“ eingeladen hatte.

Den Trainer in eine Falle gelockt
„Ich habe den Christoph in eine Falle gelockt“, erklärte Heribert Bruchhagen dem Verfasser dieses Artikels in einem persönlichen Gespräch nach der Abstiegssaison.
„Es war meine Fehleinschätzung. Ich habe Albert in eine Situation gebracht, wo es schwierig war, erfolgreich zu sein. Er hatte nicht die Zeit mit der Mannschaft den Weg zu gehen“, argumentierte Krösche ähnlich wie Bruchhagen 2011. Wie Bruchhagen, wollte auch Krösche eine „starke Persönlichkeit“, Und wie Bruchhagen beim Menschen Daum, habe sich Krösche eigenen Aussage zufolge beim Menschen Albert Riera letztendlich auch nicht getäuscht.

Welche Schuld tragen die Spieler?
Erstaunlich ist deshalb auch die mangelnde Kritik Krösches am aktuellen Kader. Auf Fehler der Profis angesprochen wich der Sportvorstand mit Floskeln aus. Leistungsträger hätten nicht ihr Potenzial abgerufen und jüngere Spieler hätten sich nicht so entwickelt, wie man sich das vorgestellt habe. Es sei eine „Gesamt-Gemengelage“. Hinweise auf geplante Konsequenzen gab er nicht. Stattdessen verwies er erneut nur auf sich selbst, weil er den letztendlich nicht funktionierenden Kader zusammengestellt habe.
Zeitnahe Trainer-Lösung
Auch zur Trainer-Frage äußerte sich Krösche nicht konkret: „Wir versuchen zeitnah eine Lösung zu finden.“ Man sei derzeit in Gesprächen und wolle den Trainer mit Blick auf die neue Saison zeitnah vorstellen. Konkrete Namen gab es nicht. Der Neue sollte aber eine klare Spielidee haben und „Intensität in unser Spiel bekommen“. Dazu eine Mischung aus Ballbesitz und Umschaltfußball installieren.

Zwang den Kader zu reduzieren
Zum Ende der Pressekonferenz gab es dann doch noch konkrete Hinweise, wie man das mangels Europapokalspielen entstehende finanzielle Loch schließen möchte. Das Budget müsse „konzentriert“ werden. Dies ginge nur über die Reduzierung der Kadergröße auf maximal 20 Feldspieler (inklusive drei Nachwuchskräften). Die Chancen sich selbst beim NLZ zu bedienen, müssen größer werden. Der Aufstieg der U21 in die Regionalliga sei dabei ein ganz wichtiger Punkt.

Neue Märkte entdecken
Die Märkte, auf denen Eintracht Frankfurt zuletzt aktiv war, seien jetzt von anderen (finanzstärkeren) Clubs besetzt, Weil die Preise sich dort verändert haben, müsse der Fokus nun auf „andere Märkte“ gesetzt werden. Welche das sind (Asien, Slowenien, Norwegen?) ließ Markus Krösche offen. In jedem Fall müsse das Scouting schneller werden, um „früher als der Markt“ zu sein. Und es müssen natürlich Transfererlöse durch Spielerverkäufe erzielt werden. Aber die WM verzögere diesen Prozess ein Stück weit.
Wer ist der Maulwurf?
Auch zum Thema der zuletzt (Fall Burkhardt) an Medien durchgestochenen Interna wurde Krösche etwas deutlicher. „Sicherlich“ wolle er diesem Thema nachgehen. Wenn aus dem „Inner Circle“ Interna rausgehen, sei dies immer schlecht, weil dies die Chancen Ziele zu erreichen minimiert. Im Verdacht habe er das „nicht kontrollierbare Umfeld der Spieler“.
Er erwähnte in diesem Zusammenhang aber auch die Spieler selbst und Mitarbeiter. „Interna müssen intern bleiben“, stellte Krösche klar. Die Klärung dieses Themas sei für ihn jetzt ein sehr wichtiges. Die Aufklärung dieser „Maulwurf-Affaire“ bleibt also spannend. jogo



