Beeindruckende Augen, ein legendärer Hut und mahnende Worte kennzeichnen die Hauptmerkmale dieses bemerkenswerten Wandgemäldes in der Mainzer Landstraße 280. Foto: Jochen Golle
Frankfurt (21.08.2025). Helmut „Sonny“ Sonneberg war eine Eintracht-Legende, nicht auf dem Spielfeld, aber in den Herzen der Eintracht-Fans. „Sonny“ starb am 10. Februar im stolzen Aller von 91 Jahren. Das Eintracht Frankfurt Fanprojekt, in Zusammenarbeit mit der Eintracht-Fanszene und dem Eintracht-Museum setzte dem Holocaust Überlebenden an einer Häuserfassade in der Mainzer Landstraße 280 ein sehenswertes Denkmal, welches am 21. August der Öffentlichkeit vorgestellt und dem Frankfurter Stadtbild übergeben wurde. Hauptverantwortlich für die künstlerische Gestaltung ist der noch junge Auftragskünstler Vincent Voigt (26), dem es gelungen ist, den außergewöhnlichen Gesichtsausdruck des lange Zeit in Sachsenhausen lebenden, selbsternannten „Riederwald-Rentners“ (wegen täglicher Trainingsbesuche) in beeindruckender Art und Weise detailgetreu zu portraitieren.
Andenken und klares Zeichen
Die Initiatoren sehen ihr Fassaden-Projekt als Andenken an einen außergewöhnlichen Menschen und wollen aufgrund des persönlichen Lebenslaufs von „Sonny“ Sonneberg zugleich ein klares Zeichen für eine facettenreiche und tolerante urbane Kultur setzen. Auf Wunsch und Überredungskunst von Matthias Thoma (Leiter des Eintracht Frankfurt Museums), berichtete Helmut Sonneberg erstmals 6 Jahre vor seinem Tod öffentlich von seinem dunklen Lebenskapitel und erhielt dafür viel Zuspruch. Der Text-Zusatz an der Mainzer Landstraße 280 „SEID HELLHÖRIG“ soll an diese Sonneberg-Mission erinnern und sie in Erinnerung behalten.
Ein Hut als künstlerische Symbolik
„Mir war wichtig, den würdevollen Blick und die ausdrucksvollen Gesichtsdetails darzustellen“, erklärte Vincent Voigt gegenüber dem SJF-Journal. Zugleich habe Voigt ein Foto Sonnebergs aus dem Jahre 1959 inspiriert, das den Verstorbenen bei seiner Fahrt in einem VW Käfer zum Endspiel der Deutschen Meisterschaft zeigt. „Dieser Hut war legendär und zeigt zudem das Eintracht-Symbol“, konstatierte Voigt, weshalb er auf externe, nicht mit der Person Sonneberg direkt verbundenen Eintracht-Symbole verzichten konnte, um trotzdem den Bezug zwischen Person und Verein eindrucksvoll darstellen zu können.

Tochter und Enkelin tief beeindruckt
Wie gut dem Künstler dieses Wandportrait gelungen ist, beweist die Bewertung und Reaktion seiner anwesenden Tochter Suzanne Sonneberg-Schnell, die ihren Vater bereits im Alter von 5 Jahren zu Fußballspielen der Eintracht begleitete. „Das ist unfassbar und so real, ich habe Tränen in den Augen“, erklärte sie im Gespräch mit dem Verfasser dieses Artikels. Vincent Voigt habe es geschafft, die „feuchten Augen“ ihres Vaters so detailgerecht darzustellen, dass man – wie früher – nicht weiß, ob er nach diesem Gesichtsausdruck geweint oder gelacht hätte“. „Sonny“ sei ein derartiger gefühlvoller Mensch gewesen, dass fast jederzeit beides passieren konnte.
Tochter verrät ein „Geheimnis“
Zum Schluss des Gesprächs verriet mir Suzanne Sonneberg-Schnell noch ein ganz besonders Detail über ihren Vater, das natürlich auch mit Eintracht Frankfurt zu tun hat. „Mein Vater hatte einen Platz im Waldstadion unterhalb der Reporterkabinen und hörte – während er das Spiel verfolgte – stets mit Knopf im Ohr den Radio-Kommentar, Sobald er der Meinung war, dass der Reporter-Kommentar falsch war, rannte er hoch vor die Kabinenscheibe und schimpfte lautstark, dass es Alle mitbekommen haben, Ungerechtigkeiten gegenüber der Eintracht konnte er nicht unwidersprochen lassen.“ Mit Blick auf die „feuchten Augen“ des „Sonny“ Sonneberg prüft auch jeder schreibende Journalist, seinen Text über diese Eintracht-Legende mindestens zweimal. Man weiß ja nie, wie er in seinem neuen Olymp auf Fehler reagiert. Wir bleiben auch da „hellhörig“. jogo




